Hochbegabung

Hochbegabung – Grundinformation
Hochbegabte Kinder finden und fördern
Schulpsychologe Dr. Josef  Hanel

 

Der Begriff Begabungsförderung ist im deutschen Bildungswesen und in der EU angekommen. Damit werden die stillen Begabungsreserven in den westlichen Industrieländern in den Blick genommen, die sich aus welchen Gründen auch immer nicht entfalten können. Zwar ist das Drama des hochbegabten Kindes schon immer ein Thema der Schulpsychologie gewesen, doch erst in letzter Zeit lässt sich darüber reden, ohne gleich mit unseligen geschichtlichen Fakten konfrontiert zu werden.

 

Von der Statistik her sind ebenso viele hoch begabte wie minder begabte Schülerinnen und Schüler zu erwarten. Jeweils 2 % der Schülerschaft fallen darunter, in jeder mittleren Grundschule müssten sechs bis neun dieser Kinder zu finden sein. Lernbehinderte oder geistig behinderte Kinder sind in den Schulen bekannt. Es wird viel für deren Integration getan. Hochbegabte Kinder führen eher ein Schattendasein und erhalten oftmals nicht die Chance, ihren Fähigkeiten entsprechend gefordert und gefördert zu werden.

 

Hochbegabte Kinder und Jugendliche zu erkennen und zu fördern, bedeutet eine Chance für die Kinder selbst, aber auch für die Schulen, für Universitäten und Wirtschaft, für die ganze Gesellschaft. Schule und Schulpsychologie kümmern sich gemeinsam darum, damit dies nicht zu einem Problem für Eltern, Lehrer/innen und die Kinder selbst werden muss. Wenn es gelingt, im Umgang mit hochbegabten Kindern so viel Normalität wie möglich herzustellen und so viel Zusätzliches wie nötig anzubieten, dann kann das Ziel erreicht werden, jede Schule „begabungsfreundlich“ zu entwickeln.

 

Hochbegabte Kinder müssen ebenso wie minderbegabte Kinder im Umgang mit anderen von der Aura des Besonderen befreit werden. Medienwirksame Auftritte einiger „Wunderkinder“ verdecken die Tatsache, dass zahlreiche Eltern von besonders begabten Kindern mit ihren Hoffnungen, Fragen und Zweifeln alleine gelassen werden. Ein musikalisches oder sportliches Wunderkind erhält wie selbstverständlich eine Förderung, die über die Möglichkeiten der Schule deutlich hinausgeht.

 

Ein kognitiv hochbegabtes Kind hat es mitunter sehr schwer, in seinem Verschiedensein in der Schule akzeptiert zu werden. Nicht selten ist Hochbegabung die Ursache von auffälligem Verhalten, das durchaus zur Isolation oder zur Lernverweigerung führen kann. Die Schulen, besonders die Grundschulen, sind mit der Aufgabe, diese Begabungen früh zu erkennen und zu fördern, neben den vielen anderen Problemen, die sie zu bewältigen haben, häufig überfordert.

 

Hochbegabte Kinder sind Meister ihres Fachs. Die besondere Begabung, also eine Fähigkeit, die deutlich über dem durchschnittlichen Können gleichaltriger Kinder liegt, kann sich auf vielen Gebieten zeigen: im Denken, in der Musik, im Verhalten, im Sport, in der Kunst und in der Sprache. Hochbegabung drückt sich nicht unbedingt in guten Noten aus, versteckt sich vielleicht sogar hinter schlechten Zensuren. Dennoch - es gibt Anzeichen, auf die Eltern und Lehrkräfte achten können. Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft nennt u. a. folgende Merkmale für verborgene Talente:

  • Hochbegabte haben in einzelnen Bereichen ein sehr hohes Detailwissen:
  • Ihr Wortschatz ist für das Alter ungewöhnlich.
  • Sie können sich Fakten merken und durchschauen sehr schnell Ursachen und Wirkungen.
  • Motivierte Hochbegabte gehen in bestimmten Problemen völlig auf. Sie sind bemüht, die Aufgaben stets vollständig zu lösen und sind bei Routineaufgaben stets leicht gelangweilt.
  • Hochbegabte beschäftigen sich viel mit Begriffen wie Recht - Unrecht, Gut - Böse und sind bereit, sich gegen „Autoritäten“ zu engagieren. Sie gehen nicht um jeden Preis mit der Mehrheit und sind eher individualistisch.
  • Hochbegabte Kinder leiden in der Schule in der Regel am Lernen im Gleichschritt.

 

Hochbegabung ist das originäre Aufgabenfeld der Schulpsychologie. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass das Wissen über Hochbegabung sowie über die daraus entstehenden Konsequenzen und Verantwortlichkeiten für die mittelbar und unmittelbar Betroffenen (Eltern und Schule) allgemein noch sehr unterschiedlich ist.

 

Bei der Beurteilung von Hochbegabung können zwei Fehler auftreten:
So werden in den Schulen mehr als die Hälfte der tatsächlich hochbegabten Schülerinnen und Schüler von ihren Lehrerinnen und Lehrern nicht erkannt, während zwei Drittel der Eltern ihre Kinder fälschlicherweise als hochbegabt ansehen.

 

Daraus entsteht einerseits eine neue Herausforderung für die Schulpsychologie, bestätigt
aber auch andererseits den bisher stets verfolgten schulpsychologischen Anspruch, möglichst allen Begabungs- und Problemvarianten im schulischen Kontext gerecht zu werden.

 

 

 

Weitere Informationen zum Thema Hochbegabung im Internet

Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen
mit wichtigen Seiten für Schüler, Eltern und Lehrer: www.schulpsychologie.de

Bundesministerium zum Thema Hochbegabung: www.bmbf.de

Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind: www.dghk.de
Regionales Treffen in Detmold: monatlich im Hotel Achilles
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