Jubiläum: 10 Jahre Verin für Schulpsychologie Detmold e.V.

Jubiläum: 10 Jahre Verein für Schulpsychologie Detmold e. V.
Festvortrag von Prof. Dr. Rainer Dollase am 30. Mai 2011 in Detmold zum Thema:
Über Lust und Last beim Lernen

  • Betonung der Klassenmanagement-Funktion eines jeden Pädagogen: Jeder muss die Fähigkeit haben, eine Klasse zu führen.
  • Unabdingbar ist die Beschäftigung mit Psychologie:
    Entwicklungspsychologie, Lernpsychologie, Beratungspsychologie.
  • Hinweis auf europäische Standards in der Schulpsychologie, deutliches Defizit in NRW.

 

Dollase bezieht sich explizit auf seine Mitgliedschaft im BDP und auf seine Professur an der Uni Bielefeld (mittlerweile emeritiert) in der Lehrer- und Psychologieausbildung. Er nimmt engagiert Stellung pro Schulpsychologie.

 

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Prof. Dr. Rainer Dollase, Renate Löffler, Dr. Josef Hanel

 

Missstände, die z. B. durch die PISA-Untersuchung aufgedeckt wurden, gehen in der Regel nicht vorüber, wenn man Strukturen ändert, sondern wenn man das zentrale Geschehen verbessert, nämlich den Unterricht. Immer noch liegt NRW im Vergleich der Bundesländer untereinander im unteren Drittel.

Meta-Analysen von wissenschaftlichen Arbeiten über das Erziehungsgeschehen in den Schulen bringen ganz deutlich zum Ausdruck, was sich ändern muss. Es ist weniger relevant, ob wir Schüler separieren oder wie die Schule organisiert ist, von eminenter Bedeutung ist das zentrale Unterrichtsgeschehen und damit die Persönlichkeit der Lehrkraft, die Organisation des Unterrichtes, die Motivationslage beim Unterrichtenden und beim Schüler. 

Meta-Analysen werten eine Vielzahl von wissenschaftlichen Einzelstudien aus und geben Hinweise für eine Weiterentwicklung. Nur, Schulpsychologen müssen solche Analysen auch lesen (können), d. h. sie benötigen dazu eine umfassende wissenschaftliche Ausbildung. Daher können sie auch Aussagen zum Profil einer Schule oder eines Schulsystems machen.  Schulpsychologen gehören in die Schule und dürfen nicht den Eindruck erwecken, sie würden nur von außen Schule und Elternhaus kritisieren.

Als Teilnehmer an der Enquete-Kommission „Zukunft der Kinder in NRW“ hat Dollase versucht, die Landespolitik für mehr Unterstützungssysteme von Schule zu überzeugen. In manchen Bildungsbürokratien werden Empfehlungen am „grünen Tisch“ erarbeitet von Experten, die schon sehr lange nicht mehr selber im Unterricht gestanden haben die und sich meilenweit von der Schulwirklichkeit entfernt haben.

Schule muss sich immer wieder wie auch andere wissenschaftlichen Professionen um den aktuellen Wissensstand bemühen. Hier kann die Schulpsychologie unterstützen. In vielen unserer Schulen wird die Kernaufgabe der Lehrkraft, nämlich guten Unterricht abzuhalten, allerdings massiv durch administrative Aufgaben überfrachtet und das führt oft zur Vernachlässigung der Vorbereitung auf diese Kernaufgabe.

Dollase fordert eindringlich ein selbstbewusstes Auftreten von Schulpsychologie als Unterstützungssystem von Schule – gemeinsam mit Schulsozialpädagogik und anderen Unterstützern, auch aus der Erziehungsberatung. Die Sektion Schulpsychologie hat im Berufsverband der Deutschen Psychologen (BDP) vehement darauf hingewiesen, dass die Ziele und Aufgaben nicht von anderen Berufsgruppen übernommen und auch nicht gegeneinander aufgerechnet werden können. Der Schulpsychologe ist alleine seiner eigenen Fachlichkeit und dem Wohl der Ratsuchenden im Elternhaus und in der Schule verpflichtet.

Über die Relation Schulpsychologie zur Schülerzahl sollte man endlich aufhören zu diskutieren: Schulpsychologie als gemeinsame Aufgabe von Land und Kommune kann nur im europäischen Standard sinnvoll sein und das bedeutet: eine Stelle Schulpsychologie für 1.000 Schüler (Relation in Detmold im Jahr 2010: eine Stelle für über 5.000 Schüler).

Dollase stellt fest, dass die Konsequenzen aus PISA immer noch nicht gezogen werden:

  • Unterricht verbessern
  • Kernkompetenz bei Lehrkräften heben
  • Lehrkräfte von anderen Aufgaben entlasten
  • Unterstützungssysteme einrichten (Schulpsychologie, etc.)

Daran muss der Verein für Schulpsychologie Detmold e. V. auch in den nächsten 10 Jahren die Öffentlichkeit, aber auch Eltern und Schule erinnern …

 

 

 

 

Lippische Landeszeitung vom 4. / 5. Mai 2011

"Die Vielfalt der Aufgaben überfordert die Schulen"
Der renommierte Psychologe Professor Rainer Dollase referiert

 

Beschreibung: Blühendes Dankeschön

 

 

Die stellvertretende Bürgermeisterin Christ-Dore Richter (rechts) überreicht einen Strauß an die Ehrenvorsitzende Inge Ehrlicher. Der Vorsitzende des Vereins für Schulpsychologie, Dr. Josef Hanel, schaut zu.

Blühendes Dankeschön | Foto: privat

 

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Detmold. Vor zehn Jahren entstand der Verein für Schulpsychologie. Aus diesem Anlass hielt Schulpsychologe Prof. Dr. Rainer Dollase einen Festvortrag über die Überforderung der Schulen.

"Zehn Jahre zeugen von einer weisen Entscheidung", sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Christ-Dore Richter. Aus dem Projekt "Lernwerkstatt" für Schüler mit Teilleistungsstörungen heraus war der Verein am 30. Mai 2001 gegründet worden. "Wir haben es dem Verein zu verdanken, dass meine Kinder heute beruflich ihren Weg gehen können", sagte Renate Löffler. Die stellvertretende Vorsitzende hatte sich damals als betroffene Mutter an den Verein gewendet und die Hilfe bekommen, die sie suchte. "Die Hälfte unserer Mitgliedschaft besteht aus der Elternschaft, die andere Hälfte machen unsere Schulpsychologen aus", sagte Vorsitzender Dr. Josef Hanel.


"Über Lust und Last beim Lernen" referierte Prof. Dollase. Die Schulen seien heute überfordert mit einer Vielfalt an Aufgaben, die sie zu bewältigen hätten. Wir haben massive Probleme und keiner packt sie an", meint er. Schule habe heute zu heterogene Aufgaben zu bewältigen. "Hier ist das so ein Tante Emma-Laden", verglich der Schulpsychologe. Diese Überforderung halte die Lehrer davon ab, ihrer Kernarbeit, dem Unterrichten, nachzugehen. Derzeit kämen 16 549 Schüler auf einen Schulpsychologen, so Dollase - "ideal wären 1000". Er verdeutlichte die Notwendigkeit von "multi-professionalen Teams", bestehend aus Lehrern, Beratern, Schulpsychologen und Pädagogen. Diese sollten die Lehrkräfte unterstützen, indem sie sie berieten, Förderpläne und Programme entwickelten sowie zwischen Lehrern, Eltern und dem System Schule vermittelten. (Eva)