Veranstaltung am 21. März 2012
Dokumentation Dr. Josef  Hanel

 

Facebook@Co
Schüler/innen leben heute in digitalen Welten – gefährlich???

 

Vor gut 100 Zuhörern berichtete die Medienwissenschaftlerin Dr. Dagmar Hoffmann auf Einladung des Vereins für Schulpsychologie Detmold in der Gustav-Heinemann-Schule über den aktuellen Kenntnisstand zu Onlineportalen wie Facebook und SchülerVZ. Frau Hoffmann ist Professorin für Medien und Kommunikation an der Philosophischen Fakultät der Universität Siegen und seit 2007 stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK). 

 

 

Beschreibung: Prof. Dr. Dagmar Hoffmann (Quelle: Dagmar Hoffmann)
Foto: Internet Uni Siegen

 

Dagmar Hoffmann

Professorin an der Universität Siegen

Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Medien- und Jugendforschung, sie ist Autorin und Mitherausgeberin von Publikationen zur Sozialisationsrelevanz von Medien im jugendlichen Selbstfindungsprozess sowie zur Kommunikation und Medienbildung im Web 2.0.

 

 

Keine Entwarnung für Facebook@Co,
Professorin relativiert jedoch die Gefahren von Online-Portalen

 

Ohne die Gefahren zu verschweigen, plädiert die Professorin für einen verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Netzwerken im Internet. Zurzeit ist bei jüngeren Schülern vor allem das Portal SchülerVZ beliebt, bei älteren hingegen Facebook, das 2004 von Mark Zuckerberg begründet wurde. Online-Portale sind sehr beliebte, aber schnelllebige Medien und für den Betreiber durch die Werbeeinblendungen lukrativ, für den Nutzer entstehen hingegen keine zusätzlichen Kosten.

Bei SchülerVZ achten Wächter darauf, dass grobe Beleidigungen oder Herabsetzungen nicht ins Netz gelangen oder gleich wieder gelöscht werden müssen. Der Jugendschutz  wird konsequent beachtet. Bei Facebook gibt es diese Korrektur nicht in dem Maße, so dass jeder Nutzer für den Inhalt verantwortlich bleibt. Zudem sollte jeder sich bewusst sein, dass einmal ins Netz gestellte Bilder oder gewagte Vorlieben nicht wirklich verschwinden, wenn man seinen „Account“ verändert, da alle Seiten schon längst kopiert sein können, Vorsicht und Zurückhaltung sind immer geboten.
Nicht zu bestreiten ist, dass in Online-Portalen sehr wohl Verletzungen der Persönlichkeitsrechte anderer wie auch im wirklichen Leben möglich sind. Cyber-Mobbing ist eine Straftat und sollte umgehend der Polizei gemeldet werden. Allerdings nimmt nach Einschätzung der Wissenschaftlerin der Anteil der Persönlichkeitsverletzungen bei Facebook bei weitem nicht das Ausmaß an, das manchmal in der Öffentlichkeit suggeriert wird. Der überwiegende Anteil der Nutzer hält sich an die Spielregeln zwischenmenschlicher Kommunikation, allerdings mit allen aktuellen Besonderheiten in der Sprache von Heranwachsenden und jungen Erwachsenen.

 

 

Zahlen und Fakten

  • Anzahl der Nutzer bei Facebook in Deutschland:  23,3 Mio.
  • 47 % der Online-Mitglieder sind bei Facebook, 27 % bei SchülerVZ
  • Mädchen sind etwas häufiger in einem Netzwerk als Jungen
  • Bei den 14 bis 19 jährigen Jugendlichen sind  etwa 80 % der Mädchen und etwa 75 % der Jungen täglich oder mehrmals in der Woche in einer online-community
  • Hauptschüler sind ebenso häufig in Online-Portalen wie Gymnasiasten

 

 

Beschreibung: C:\Users\Hanel\Pictures\2012-03-29 Hoffmann\Haustür 033.JPG
Foto privat

 

Schon immer haben Heranwachsende ihren eigenen Weg gesucht, in die Gesellschaft hineinzuwachsen. Alles dreht sich um die Fragen ‚wer bin ich‘, ‚wohin will ich‘ und ‚wer will ich sein‘. Heute findet diese Suche vorwiegend im virtuellen Raum statt.

Ohne Facebook geht heute im Jugendalter so gut wie gar nichts mehr. Facebook ist zum selbstverständlichen Alltagshandeln geworden. Es werden Inszenierungsräume für das Selbst geschaffen, die sich in der Internetgemeinde zu Umwelten mit vielen Gesichtern entwickeln. Das haben Heranwachsende schon immer so gemacht (Fachbegriff hanging-around), nur hängt man nicht mehr an der Tankstelle oder Im Jugendzentrum herum, sondern man trifft sich im Online-Portal.

Medienhandeln wird von den Jugendlichen als soziales und kulturelles Handeln verstanden. Bedürfnisse für Soziale-Netzwerk-Aktivitäten sind eng verknüpft mit sozialen Selbstdarstellungen etwa im Profil der Person, in der Tagebuchführung oder mit dem Eintrag auf der Pinnwand, was man so alles toll findet. Manche verbringen außergewöhnlich viel Zeit bei Facebook - sechs bis acht Stunden täglich sind keine Seltenheit -  und sind damit beschäftigt, die Selbstdarstellung im ständigen Austausch mit anderen zu optimieren.

Viele wollen einfach nur sehen, was andere machen und mit ihnen kommunizieren. Dabei achtet man sehr darauf, die Facetten der eigenen Persönlichkeit gut darzustellen und möglichst viele Freunde für sich zu gewinnen. Jemand, der nur 30 Kontakte auf seiner Seite hat, gilt bereits als isoliert. Facebook wirbt mit dem Satz: „Facebook ermöglicht es Dir, mit den Menschen in Deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit Dir zu teilen.“

Heranwachsende beanspruchen auch innerhalb der Familie eine gewisse Intimsphäre, die sich dann auch auf das virtuelle Leben bei Facebook erstrecken sollte. Das kann natürlich nicht im Sinne eines Freibriefes verstanden werden, wohl aber muss das Vertrauen soweit vorhanden sein, dass Eltern und Heranwachsende im Notfall doch miteinander über eine problematische Eintragung im Netz sprechen können.   

 

Beschreibung: C:\Users\Hanel\Pictures\2012-03-29 Hoffmann\Haustür 027.JPG
Foto privat

 

Bevorzugte Tätigkeiten am Computer (12 – 19 Jahre)

  • 70 %    Videoportale nutzen
  • 68 %    in Profilen stöbern
  • 68 %    Musik im Internet hören
  • 50 %    einfach drauflos surfen
  • 45 %    Videos herunterladen
  • 11 %    Radio hören über I.
  • 10 %    DVDs ansehen
  •   9 %    TV zeitversetzt sehen
  •   5 %    Mediatheken nutzen
  •   4 %    TV live sehen

 

 

Prof. Hoffmann hat sehr kenntnisreich und recht undramatisch über die Anziehungskraft der Online-Portale referiert, so dass jeder Besucher nunmehr besser und vielleicht unaufgeregter mit Facebook@Co umgehen kann. Während in Deutschland bereits 70 bis 80 Prozent der Heranwachsenden in einem sozialen Netzwerk verankert sind, so war es in der Zuhörerschaft  genau umgekehrt, nur ein Fünftel der Besucher gibt an, Mitglied in einem Online-Portal zu sein.

 

 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: C:\Users\Hanel\Pictures\2012-03-29 Hoffmann\Haustür 029.JPG
Foto privat

 

In der nachfolgenden lebhaften Aussprache, die vom Vereinsvorsitzenden Dr. Josef Hanel moderiert wurde, konnte immerhin eine Internetwortschöpfung aufgeklärt werden. Man „gruschelt“, wenn man mit einem anderen Mitglied online Kontakt aufnehmen möchte.

cogito, ergo sum… ich denke, also bin ich – so formulierte René Deskartes im 17. Jahrhundert

ich bin bei facebook@Co, also lebe ich – so denkt die Schuljugend von heute?

 

 

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Pädagogik
Verein für Schulpsychologie Detmold e. V.
Psychologie
Geschäftsstelle Dr. Josef Hanel:  www.SchuPs.de

Einladung zu einer Vortragsveranstaltung
mit Frau Prof. Dr. Dagmar Hoffmann von der Universität Siegen
  Wann: Mittwoch, 21. März 2012, 18.00 Uhr
  Wo:  Aula Gustav-Heinemann-Schule, Schulzentrum West in Detmold

Facebook@Co
Schüler/innen leben heute in digitalen Welten – gefährlich???

 

Beschreibung: Prof. Dr. Dagmar Hoffmann (Quelle: Dagmar Hoffmann)

 

Dagmar Hoffmann

Professorin für Medien und Kommunikation an der Philosophischen Fakultät der Universität Siegen und seit 2007 stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK).

Cogito, ergo sum – ich denke, also bin ich,  so formulierte René Deskartes im 17. Jahrhundert.
Ich bin bei Facebook@Co – also lebe ich, denkt so die Schuljugend von heute?

Frau Prof. Dr. Dagmar Hoffmann spricht über das Thema:
 Was fasziniert Schülerinnen und Schüler an sozialen Netzwerkportalen?