Kleines Symposium am 3. Mai 2017
Dokumentation – Kinder mit destruktivem Verhalten

 

Lippische Landeszeitung vom 3. Mai: Tipp des Tages

Detmold. Dr. Letschert spricht auf Einladung des Detmolder Vereins für Schulpsychologie. Ihrer Kernaussage, wonach der Lehrer- oder Erzieherberuf einer der schönsten Berufe der Welt sein könnte, werden sicher viele zustimmen. Doch wie kann man das schaffen, wenn man umgeben zu sein scheint von zunehmenden Schwierigkeiten und Problemen in Elternhaus, Schule und Gesellschaft?

 

Foto: Letschert

Vor dem Hintergrund langjähriger Berufserfahrung gibt die Referentin Hilfen für die tägliche pädagogische Arbeit. Sie zeigt auf, wie Pädagogik auch heute keine anwachsende Belastung sein muss, sondern oft sogar entlastend wirken kann. Die Ermutigung des Kindes, aber auch der Lehrkräfte und Eltern, ist das zentrale Anliegen von Dr. Beate Letschert.

 

Beginn  um 19 Uhr

Aula der Gustav-Heinemann-Schule
Schulzentrum Sprottauer Straße

Der Eintritt ist frei.

 

 

Dr. Josef Hanel
Vor etwa 30 Teilnehmern spricht Dr. Beate Letschert über ein Thema, welches vielen Fachkräften im Kindergarten und in den Schulen unter den Nägeln brennt:

Kinder mit destruktivem Verhalten
als Thema in der Supervision und Lehrerfortbildung


Theoretisch gut fundiert in der Individualpsychologie von Alfred Adler weist Letschert einen interessanten Weg auf in der Beurteilung und Abwendung von Verhaltensauffälligkeiten. Kinder zeigen ein destruktives Verhalten, weil sie sich allein gelassen fühlen, eine schlechte Meinung von sich selbst haben gepaart mit sehr geringem Selbstbewusstsein. Die Hintergründe sieht Letschert in einer systematischen Entmutigung des Kindes, die durch vielfältige Weise verursacht sein kann wie etwa durch Vernachlässigung, Verwöhnung, Unverstanden-Sein und mangelndes Interesse, für die die Eltern wissentlich oder unwissentlich Verantwortung tragen.

Weitere ungünstige Voraussetzungen für eine Fehlentwicklung werden kurz skizziert: die Geschwistersituation - viele destruktive Kinder sind Erstgeborene  -, die Gewaltverharmlosung, das Zuviel an pauschalem Lob und ein Zuwenig an differenzierter Rückmeldung.

 

 

Letschert beginnt die Supervision für Lehrkräfte (oder Erzieher/innen) mit einer Tagesveranstaltung, an dem das gesamte Kollegium teilnimmt. Sie geht davon aus, dass eine engagierte Lehrkraft oftmals ein falsches Bild von sich selbst aufbaut: ich bin umgeben von destruktiven Kindern und kann nichts ausrichten bzw. das, was ich mache, führt nicht zum Erfolg.

 


Foto: Hanel

Hier hilft als erstes der Blick auf gelungene Interaktionen mit einem schwierigen Kind und diese werden im Zweiergespräch erarbeitet und anschließend von allen Kleingruppen auf einer Flipchart aufgelistet. Bewertung: Mit destruktiven Kindern gibt es überraschend viele positive Interaktionen und diese sind der Schlüssel für einen ermutigenden Umgang in der Zukunft.

Das Ziel des Tagesseminars ist die Stärkung der eigenen pädagogischen Kompetenz, indem die Überzeugung wächst, dass auch destruktive Kinder allmählich lernen können, Verantwortung für sich und für die Klasse zu übernehmen. So lassen sich Ermutigungsmöglichkeiten finden, vor allem, wenn man den Aufbau einer Beziehungsebene mit dem Kind plant. Die Ermutigung ist eine pädagogische Herausforderung, sie kann aber gelingen.

Lässt man sich bei einem destruktiv handelnden Kind alleine auf Machtkämpfe ein, wird das Kind oftmals als Sieger daraus hervorgehen mit dem Ergebnis, dass die weitere Interaktion im Negativen verankert bleibt. Die Supervision vermittelt einen neuen Blick auf das Geschehen und zeigt auf, wie eine gelingende Kommunikation mit dem Kind wieder möglich wird. Ebenso verfährt Letschert in der Supervision in einem Tagesseminar mit den Eltern und auch mit den Kindern.

Der Vortrag und die anschließende Aussprache haben Mut gemacht. Zu wünschen ist, dass sich nun auch Kollegien in Lippe trauen, den Weg zur Supervision oder kollegialen Fallberatung einzuschlagen. Dr. Letschert kann hierzu gerne angesprochen werden.

 

Die Buchhandlung Jaenicke (in der Paulinenstraße neben der LZ) hat das lesenswerte Buch von Beate Letschert sicher vorrätig. Es  konnte auch am Büchertisch in der Aula der Gustav-Heinemann-Schule erworben werden.

 

Lippische Landeszeitung  vom 5. Mai 2017


LZ-Mitarbeiter Guntram Wolff

Jedes Kind hat viele Fähigkeiten

Erziehungswissenschaftlerin Dr. Beate Letschert rät Eltern und Lehrern, verhaltensauffällige Kinder nicht nur zu bestrafen. Sinnvoller sei, das Positive zu suchen und zu fördern.

 

                                                                                                                            Foto: Guntram Wolff

Detmold. Sie stören im Unterricht, sie machen nicht richtig mit – immer mehr Lehrer haben Mädchen und Jungen in ihrer Klasse, die aus der Reihe tanzen. Der Verein für Schulpsychologie hat einen Vortrag zum Thema „Kinder mit destruktivem Verhalten“ in der Gustav-Heinemann-Schule veranstaltet. Die LZ sprach mit Referentin Dr. Beate Letschert.

Frau Dr. Letschert, ist die Schulzeit nicht die schönste Zeit im Leben?
LETSCHERT:
Die Schulzeit könnte die schönste Zeit im Leben sein und der Lehrerberuf einer der schönsten, den man sich vorstellen kann. Für viele Kinder und Lehrkräfte ist das glücklicherweise auch so, doch leider nicht für alle. In zunehmendem Maße klagen Lehrkräfte über das auffällige Verhalten von Schülern. Es sind Kinder, die ein negatives Selbstbild haben und sich diesem Bild entsprechend betragen. Dann wird die Schulzeit zur Problemzeit.

Wie kann dieser Problemzeit begegnet werden?
LETSCHERT: Die Probleme, die wir mit verhaltensauffälligen Kindern haben, sind auf garkeinen Fall wie ein Rezept zu lösen. Es geht nicht darum, eine Methode anzuwenden, sondern es geht um eine pädagogische Haltung dem Kind gegenüber.

Was genau meinen Sie damit?
LETSCHERT: Es geht nicht darum, das Verhalten des Kindes ändern zu wollen, sondern darum, das Kind hinter seinem Verhalten zu erreichen und positiven Einfluss auf das oft negative Selbstbild zu nehmen. Das Kind muss sich trotz der Schwierigkeiten, die es macht, angenommen und zugehörig fühlen können.

Verhaltensauffällige Kinder sollen also zum Beispiel in die Klassengemeinschaft integriert werden?
LETSCHERT: Verhaltensauffällige Kinder sehen sich oftmals nicht selbst integriert. Je verhaltensauffälliger ein Kind ist, desto entmutigter ist es meistens. Und je entmutigter es ist, desto destruktiver ist sein Verhalten. Und je destruktiver das Verhalten ist, desto eher fühlt sich das Kind ausgegrenzt und nicht gemocht. Es geht bei der Integration darum, das Kind so zu erreichen, dass es spürt: Ich habe Fähigkeiten, mit denen ich auch etwas für die Klassengemeinschaft tun kann, Fähigkeiten, die wertvoll sind und von denen andere Kinder profitieren können. Entmutigte Kinder, die verhaltensauffällig sind und stören, haben nicht dieses Selbstwertgefühl und dieses Kompetenzbewusstsein. Aber ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit bleibt, deshalb greifen sie auf destruktive Mittel zurück, um im Mittelpunkt zu stehen.

Was wäre aus Ihrer Sicht der falsche Weg im Umgang mit verhaltensauffälligen
Kindern?
LETSCHERT: Falsch wäre es, die Kinder nur zu bestrafen. Sanktionen sind nicht prinzipiell abzulehnen, doch wir müssen beachten, dass sie das Kind in seinem negativen Selbstbild bestärken und neue Störsituationen auslösen können. Deshalb ist es wichtig, sich auf die Suche nach den Fähigkeiten des Kindes zu machen und das Kind zu aktivieren. Jedes Kind hat viele Fähigkeiten.

Persönlich
Dr. Beate Letschert (68) aus Bad Salzuflen war Grund-, Haupt- und Realschullehrerin und als Schulleiterin in Schleswig-Holstein tätig. Sie promovierte an der Universität Hamburg im Fachbereich Erziehungswissenschaften und war bis 2004 verantwortlich für die Lehrerausbildung in Hamburg, am Institut für Lehrerbildung und Schulentwicklung.
Letschert ist als individualpsychologische Beraterin und Supervisorin in der Lehrerfortbildung und Schulprofilgestaltung im Niederrhein tätig.

 

 

Weitere Informationen zum Thema Supervision und Kollegiale Fallberatung

 

Aus der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt Düsseldorf (2015):
Die Unterstützung von Schulen und Lehrkräften in ihrem Arbeitsalltag ist der Beratungsstelle ein besonderes Anliegen.

Supervision

Nach unserem Verständnis ist Supervision eine Beratungsform, in der vorrangig Schwierigkeiten und Probleme aus dem beruflichen Kontext reflektiert und bearbeitet werden. Somit dient Supervision der Professionalisierung des beruflichen Handelns und damit einhergehend der Persönlichkeitsentwicklung. Supervision wirkt zusätzlich präventiv zur Vermeidung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch berufliche Belastungen, beispielsweise zur Vermeidung eines Burn-Out.

Supervision ist ein kooperativer Prozess auf der Basis einer vertrauensvollen Beratungsbeziehung zwischen Supervisor und Teilnehmerin oder Teilnehmer bzw. weiteren Mitgliedern einer Supervisionsgruppe, in dem das berufliche Handeln auf der Grundlage der institutionellen Rahmenbedingungen und der eigenen Persönlichkeit reflektiert wird. Auf dieser Grundlage werden Lösungs- und Handlungsstrategien für berufliche Situationen erarbeitet.

Supervision ist zu unterscheiden von Psychotherapie, Coaching, Training und Fortbildung.
Supervision als Angebot des Zentrums für Schulpsychologie der Landeshauptstadt Düsseldorf
richtet sich an

  • Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen
  • sicher auch für Kollegien des KiGa und der KiTa oder OGS
  • Fachkräfte der Schulsozialarbeit
  • pädagogische Fachkräfte in offenen oder gebunden Ganztagsschulen
  • Beratungslehrerkräfte
  • Lehrkräfte am Berufsanfang
  • Lehrkräfte im Referendariat
  • Schulleiter und Schulleiterinnen

 

unterstützt

  • die Entwicklung individueller Handlungsstrategien und -alternativen in schwierigen beruflichen Situationen
  • die Klärung von Konfliktsituationen und die Erarbeitung von  Lösungswegen
  • as Herausfinden von eigenen Ressourcen und Stärken
  • die Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten und Fertigkeiten
  • den Erhalt der eigenen Gesundheit und der „work-life-balance“
  • die Kommunikationsfähigkeit und Reflexionskompetenz
  • die Konzepte zur Qualitätssicherung in der Schule / KiGa etc.

 

Kollegiale Fallberatung

Kollegiale Fallberatung ist nach unserem Verständnis eine interaktive Beratungsform in Gruppen zur Bewältigung von beruflichen Fragen und Belastungen. Wie der Name bereits sagt, wird in einer homogenen Berufsgruppe ohne Experten von außen gearbeitet. Die beruflichen Herausforderungen an Lehrkräfte sind sehr hoch und vielfältig. Insofern ist es lediglich eine Frage der Zeit, wann der einzelne an die Grenzen der eigenen Ideen und Ressourcen gelangt.

Die Kollegiale Fallberatung ist eine klar strukturierte Beratungsform mit deren Hilfe sehr
zügig neue Ideen, Lösungsmöglichkeiten und Handlungsalternativen entwickelt werden
können.

Wir bieten dazu eine Einführung in die „Kollegiale Fallberatung“ an.

  • Die Einführung richtet sich an
  • Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen
  • Fachkräfte der Schulsozialarbeit
  • pädagogische Fachkräfte in offenen oder gebunden Ganztagsschulen
  • Beratungslehrerkräfte
  • Lehrkräfte am Berufsanfang
  • Lehrkräfte im Referendariat
  • Schulleiter und Schulleiterinnen

Grundlagen sind die Freiwilligkeit und Verschwiegenheit der Teilnehmenden.

 

Der Verein für Schulpsychologie Detmold bietet ebenfalls kollegiale Fallberatung
an für das Kollegium von Kindergärten und Schulen.
Anfragen unter der E-Mail: info@SchuPs.de