Veranstaltung am Mittwoch, 24. September 2014
„Fräulein Jacobs funktioniert nicht – Als ich aufhörte, gut zu sein“
- Legasthenie als Chance verstehen -

Legasthenie und Dyskalkulie überwinden

Viel Beifall erhielt Louise Jacobs, eine Enkelin der Kaffee-Dynastie-Jacobs, in der Aula der Gustav-Heinemann-Schule von den zahlreichen Zuhörern. Das strahlende Gesicht der heute 32jährigen vermittelte während einer Lesung am besten, dass Erfolge im Leben trotz Legasthenie und Dyskalkuliemöglichsind.

Auf Einladung des Vereins für Schulpsychologie Detmold stellte Louise Jacobs ihr aktuelles Buch vor „Fräulein Jacobs funktioniert nicht – Als ich aufhörte, gut zu sein“. Darin beschreibt sie ihre nicht einfache Lebensgeschichte, die nur deswegen glücklich ausging, weil sie nicht aufhörte, an sich zu glauben. Obwohl sie in einer Bildungsfamilie aufwächst, wird sie zur Schulversagerin.

Sehr groß ist für Louise Jacobs und ihre Familieder Schock, schon wenige Wochen nach der Einschulung merken zu müssen, dass sie im Gegensatz zu ihren fünf Geschwistern in der Schule überhaupt nicht richtig funktioniert. Sie schreibt spiegelverkehrt und hasst Zahlen. Zu Beginn der 3. Klasse kann die ansonsten aufgeweckte Louise trotz vieler Therapien weder lesen, noch schreiben oder rechnen.  Wohl fühlt sie sich in der Umgebung von Jungen, bei den Pfadfindern und bei den Pferden auf der Ranch der Familie in Vermont. Mit 16 Jahren geht sie nach Amerika. Dort wird sie zwar besser in der Schule, weil sie endlich lernen und viel Sport treiben kann. Doch sie überfordert sich, wird magersüchtig und von ihren Eltern schließlich mit Zwangseinweisung in eine Schweizer Klinik gebracht.
Hier begegnet sie zum ersten Mal Menschen, die sie bedingungslos annehmen und – keine Erwartungen an sie stellen. Sie findet zu sich selbst und ihr wird klar, dass sie doch etwas kann, zum Beispiel in Bildern zu denken und treffend zu formulieren. Nach ihrer Entlassung schlägt sie gegen den Willen ihrer Eltern eine Privatschule aus und geht mit 18 alleine nach Berlin.Dort schafft sie an einem städtischen Gymnasium das Abitur und fängt an zu schreiben. Bald veröffentlicht sie ihr erstes Buch „Café Heimat“, das in die Bestsellerlisten gelangt und sie als Schriftstellerin bekannt macht.



Foto: Hanel

Während der Lesung lernt das Publikum eine aufgeräumte, sympathische junge Frau kennen, die an einem Gedankenaustausch sehr interessiert ist.

Der Schule von heute wünscht sie einen besseren Umgang mit Kindern, wie sie es damals war. Vielleicht genügt es, wenn man nicht nur die Schulprobleme eines Kindes sieht, sondern sehr sensibel darauf achtet, dass jedes Kind auch  Stärken aufweist, etwas gut kann und dies auch anerkannt wird.

Viele Therapien gingen an Louise Jacobs nicht nur spurlos vorüber, sondern verschärften ihr Gefühl „falsch“ zu sein. Therapeuten gibt sie den Rat, nicht alleine auf das Honorar zu schauen, sondern authentisch zu sein, die Zuneigung und das Interesse des Klienten zu gewinnen und, wenn das nicht gelingt, die Therapie rechtzeitig abzubrechen, bevor es für das Kind zur Quälerei wird.

In der angesehenen und wohlhabenden Familie Jacobs geht es wie in vielen anderen Familien auch um die selbstverständliche Erwartung, Erfolg in der Schule zu haben und Abitur zu machen. Louise Jacobs blieb die Anerkennung in ihrer Familie versagt. Eltern empfiehlt sie ein genaues Beobachten der Stärken und nicht immer nur die Therapie von Schwächen. Abitur und Studium seien zwar wünschenswert, aber Eltern müssten auch Achtung und Anerkennung aussprechen, wenn der Weg des Kindes ein anderer ist. 


Foto: Hanel

Am Ende der Veranstaltung drängen sich viele Besucher um den Büchertisch der Buchhandlung Jaenicke. Wenn man Louise Jacobs beim Signieren zusieht, schaut man in das Gesicht einer hübschen, jungen Frau mit strahlenden Augen und kurzen, braunen Haaren. Sie macht ihren Zuhörern Mut, sich zu akzeptieren und nicht aufzugeben. Auch Louise Sophie Jacobs hat gekämpft und tut es noch jeden Tag. Für sich und ihren vierjährigen Sohn.An ihr stimmt mittlerweile alles und sie funktioniert gut.

 

Einladungstext zur Veranstaltung mit Louise Jacobs

 

fraulein

 

Die Tochter der „Jacobs“ Kaffee-Dynastie leidet seit ihrer Kindheit unter Legasthenie. Jetzt hat Louise Jacobs mit 32 Jahren ihr drittes Buch veröffentlicht.

Behütet aufgewachsen, bemerkt Louise Jacobs schnell, wie anders sie in vielen Bereichen ist, sie funktioniert einfach nicht so wie ihre fünf Geschwister. Und das, obwohl ihre Familie ihr jede nur denkbare Unterstützung angedeihen lässt.

In der spannend geschriebenen Biografie kann jeder nachvollziehen, wie groß der Druck eines Kindes mit Legasthenie oder Dyskalkulie ist, normal sein zu wollen wie alle anderen, zu funktionieren. Louise Jacobs gibt nicht auf, weil sie beginnt, die Teilleistungsschwäche als Chance zu verstehen.

 

Dokumentation: Dr. Josef Hanel