Vortragsveranstaltung am Mittwoch, 17. April 2013
August-Hermann-Francke Hauptschule in Detmold-Hohenloh

Walter Schmidt, Buchautor und Journalist, spricht zum Thema:
Lehren und Lernen oder Morgenstund ist ungesund …
Der Verein für Schulpsychologie Detmold hat am Mittwoch, 17. April 2013, zu einem Vortrag mit dem Wissenschaftsjournalisten Walter Schmidt eingeladen. Die Zuhörer konnten sich über eine gelungene Veranstaltung freuen, über die auch die Lokalpresse ausführlich berichtet hat.  

Mit der Umstellung auf die Sommerzeit beginnt in vielen Familien mit schulpflichtigen Kindern eine anstrengende Zeit: lange Sommerabende verleiten zum späten Schlafengehen und dennoch müssen die Kinder am nächsten Morgen fit in der Schule sein. Da hat Morgenstund nicht immer Gold im Mund.

 


Fotos Hanel

 

 

Dieses und andere Sprichwörter haben sich uns derart eingeprägt, dass wir bei jeder passenden Gelegenheit automatisch an sie denken müssen. Schmidt hinterfragt geschickt und sachkompetent einige der bekanntesten Lebensweisheiten aus dem Bereich Lehren und Lernen auf ihre Bedeutung für die Schule von heute.

Besucher wurden zu Beginn der Veranstaltung um eine spontane Meinung gebeten: späterer Schulbeginn – ja oder nein“. Ergebnis: Zwei Drittel der Befragten sind für einen späteren Schulbeginn. Im Anschluss an den Vortrag kam es zu einem regen Meinungsaustausch. Es konnten zudem handsignierte Bücher von Walter Schmidt erworben werden. Interessierte Besucher ließen sich anschließend die schönen Räume der Hauptschule zeigen.

 

Bericht in der Lippischen Landeszeitung
LZ DETMOLD vom 19. April 2013

Früher Unterrichtsbeginn widerspricht den Genen
Walter Schmidt spricht in der Hauptschule in Hohenloh über die richtige Tageszeit zum Lernen

Detmold. "Morgenstund ist ungesund" lautet der Titel seines Buches, in dem Walter Schmidt die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung in verständlicher Weise zusammenträgt. Nun ist er in Detmold zu Gast gewesen. Auf Einladung des Vereins für Schulpsychologie referierte er am Mittwochabend über den richtigen Zeitraum zum Lernen.

Dabei hatte der freie Journalist vor allem die Kinder ab dem elften Lebensjahr im Blick. Deren Schlaf-Wach-Rhythmus verschiebt sich nämlich so, dass das frühe Aufstehen ihren genetisch vorgegebenen Bedürfnissen widerspricht. Für diese Kinder stimmt das Sprichwort "Morgenstund hat Gold im Mund" nicht mehr. Im Gegenteil: Neurologische Forschungen haben ergeben, dass Kinder etwa ab dem elften Lebensjahr gerade morgens länger schlafen sollten, da in dieser Zeit das Gelernte im Langzeitgedächtnis abgespeichert wird.

Wenn die Kinder in dieser morgendlichen Schlafphase geweckt werden, hat das laut Schmidt also zwei schwere Nachteile. Erstens werden langfristige Lernerfolge der vorangegangenen Tage behindert. Zweitens sind die Kinder morgens müde und können sich nicht gut konzentrieren.

Die Schulen hätten durchaus die Möglichkeit, mit dem Unterricht später zu beginnen, findet der Autor. Die angeregte Diskussion im Anschluss an den Vortrag ergab allerdings, dass der Teufel wie immer im Detail liegt. So müssten etwa die Schulbusse mit dem Berufsverkehr koordiniert werden.

Schmidt betonte, dass gute Bildung die größte auch wirtschaftliche Ressource Deutschlands sei. "Gute Bildung meint vor allem Kreativität. Kreativität braucht Muße. Muße ist nicht gleich Faulheit", betonte der Referent. Gemeint sei damit vielmehr jene innere Entspannung, der das Frontalhirn - also die Region, die den Menschen auszeichne, und in der sich eigentliche Kreativität abspiele - den dafür nötigen Zeitraum gebe.

Eine kleine Erzählung machte diese Erkenntnis verständlich: Mit einem Grashalm im Mund beobachtete ein pfiffiger Mensch, wie seine kleine Tochter runde Kieselsteine einen Hang hinunter rollen ließ. "Hey", dachte er sich, "so müsste es gehen" - und tags darauf sägte er aus einem starken Ast das erste Rad der Welt. Das wäre ihm laut Schmidt nie eingefallen, wenn ihm sein Chef angewiesen hätte, bis morgen gefälligst das Rad zu erfinden.

Unter Druck schalte der Mensch nämlich schneller reagierende Gehirnregionen ein, und reagiere mit Aggression oder Flucht. Er schalte auf keinen Fall auf Kreativität. Und die brauche die Gesellschaft dringender denn je.(ans)

Dokumenten Information
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Einladungstext

Einladung zur Vortragsveranstaltung
Mittwoch, 17. April 2013 um 18.00 Uhr
August-Hermann-Francke Hauptschule in Detmold-Hohenloh

Es spricht und liest Buchautor und Journalist Walter Schmidt zum Thema:
Lehren und Lernen
oder Morgenstund ist ungesund …

 

Walter Schmidt
Foto: Mia Schweichel

 

Walter Schmidt

geboren 1965 in Saarbrücken, hat Physische Geographie in Saarbrücken und Vancouver (Kanada) studiert
danach Ausbildung an der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule
1994/95: Umweltredakteur beim Heinrich-Bauer-Verlag in Hamburg
1996 - 1999 Pressesprecher des Umweltverbandes BUND
seit Ende 1999 freier Journalist

 

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Ob wir sie mögen oder nicht: Viele Sprichwörter haben sich uns derart eingeprägt, dass wir bei jeder passenden Gelegenheit automatisch an sie denken müssen. Und das, obwohl sie oft genug ein wenig altbacken klingen. Walter Schmidt klopft einige der bekanntesten Lebensweisheiten aus dem Bereich Lehren und Lernen auf ihren sachlichen Gehalt ab und denkt darüber nach, ob sie uns noch Orientierung bieten können:

Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.
Aller Anfang ist schwer.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Morgenstund hat Gold im Mund.

Sind diese Sprüche auch heute noch zeitgemäß und passen sie in eine Gesellschaft, deren Arbeitsrhythmen sich im Laufe der Zeit verändert haben, z. B. unabhängig vom Tageslicht geworden sind? Arbeitsmediziner, Pädagogen und Psychologen empfehlen schon lange einen späteren Unterrichtsbeginn, besonders für die ältere Schuljugend…
Freuen Sie sich auf einen kurzweiligen und gegen die Schulbürokratie gebürsteten Vortrag!