19. Detmolder Symposium für Pädagogik und Psychologie am 17.11.2010
Thema: Der Tanz um das goldene Kind
Schülerinnen und Schülern gerecht werden
Dokumentation Dr. Josef Hanel

 

Der Verein für Schulpsychologie Detmold e. V. hat am 17. November 2010 eingeladen zur Teilnahme am 19. Detmolder Symposium für Pädagogik und Psychologie. Da die Referentin Eva Zeltner-Tobler, Diplompsychologin und Bestsellerautorin aus Zürich, leider erkrankt war, wurde ihr Vortrag von ihrem Ehemann, Prof. Tobler, verlesen. Sowohl seine Rede wie auch die nachfolgende Aussprache waren geprägt von Souveränität und vorhandener Sachkompetenz.

 

Prof. Tobler, Referent

Renate Löffler,
Vorsitzende Verein

Dr. Josef Hanel

Volksbank
Haus der Immobilie
Foto privat

 

Der Beginn der Reihe Symposium für Pädagogik und Psychologie geht auf das Ende des interschulischen Arbeitskreis der Schulen in der Stadt Detmold vor etwa 20 Jahren zurück, der vom damaligen stellvertretenden Schulleiter des Leopoldinum, Herrn Roth, ins Leben gerufen worden war, dann aber nicht weitergeführt wurde. Der Schulpsychologische Dienst hat dann diese wichtige Austauschbörse aller am Erziehungsgeschehen beteiligten Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher als Symposium weitergeführt.

Nachdem der Schulpsychologische Dienst der Stadt Detmold seit Mitte des Jahres in die Regionale Schulpsychologische Beratung des Kreises Lippe (RSB-L) integriert worden ist, führt der Verein für Schulpsychologie das Symposium in eigener Regie weiter. Vor etwa 140 Zuhörern wurde die Veranstaltung durch Schulpsychologen Dr. Josef Hanel und Renate Löffler, Vorsitzende im Verein für Schulpsychologie Detmold, eröffnet.

Eva Zeltner hat mit zahlreichen Büchern und Veröffentlichungen vehement im Feld Erziehung und Schule Stellung bezogen und hebt sich als Psychologin wohltuend ab von Gehorsamspädagogen wie Bernhard Bueb (Lob der Disziplin) und Medizinern wie Michael Winterhoff (Warum unsere Kinder Tyrannen werden). Ihrer Meinung wirkt überzeugend: Jeder Verantwortliche in Familie und Schule muss das richtige Maß an Liebe in der Erziehung des Kindes selber finden und darf sich nicht alleine auf fremde, noch so gut gemeinte Ratgeber verlassen.

Allerdings gerät das Kind in der kleiner gewordenen Kernfamilie und bei zurückgehenden Schülerzahlen schnell unter starke Beobachtung und großen Leistungsdruck. Der erste Schultag mutiert zu einem Familienfest und hinter den vielen Wünschen zum guten Schulstart und zur Freude am Lernen treten alsbald die Erwartungen von guten Noten und einer höheren Schullaufbahn. Eva Zeltner bezieht angesichts der vielen „Tänze“ um das Kind eine klare Position: In der Erziehung eine eigene Meinung haben und anstelle von noch so gut gemeinten Rezepten stets den eigenen Denkapparat benutzen. So wird man Kindern und Schüler/innen am ehesten gerecht.

In 10 Thesen entwirft die Referentin ein Erziehungsmodell, damit sich Elternhaus und Schule wieder normal mit Heranwachsenden auseinandersetzen können, obwohl die Werbung und die Wirtschaft ein anhaltendes Interesse haben, dass der Tanz ums goldene Kind fortgesetzt wird.

  1. Kinder sind unersättlich auf materielle Werte ausgerichtet – wenn man sie lässt.

 

  1. Kinder sind unersättlich auch in seelischer Hinsicht – wenn man nicht gegensteuert. Überbehütung führt zu Unselbständigkeit und Ich-Schwäche.
  1. Kinder werden nicht autonom geboren, sie sind angewiesen auf Hege und Pflege, also auf Erziehung.

 

  1. Eltern dürfen die Fehler ihrer Kinder nicht bagatellisieren.
  1. Worte in der Erziehung sind mehr als Schall und Rauch.

 

  1. Prinzen und Prinzessinnen erschweren die Aufgaben der Lehrer. Lehrer sollten selbstbewusste Fachkräfte sein, die selbstsicher und respektvoll auch mit schwierigen Eltern umgehen können.
  1. Zu viele Eltern sind von falschem Ehrgeiz besessen. Sie fordern und überfordern, anstatt realistisch die Stärken zu stärken und die Schwächen zu schwächen.

 

  1. In einer Ganztagsschule ließe sich vieles ausgleichen, wozu Elternhäuser oftmals nicht imstande oder interessiert sind.
  1. Ohne Wohlfühlatmosphäre sinkt die Lernleistung im Unterricht. Gemeint ist eine Kultur der Anerkennung und nicht eine Kultur des Fehlers.

 

  1. Eine Portion Fantasie und Humor erleichtern den Umgang mit schwierigen Kindern.

Nach dem Vortrag im Panoramasaal klang die Veranstaltung im Foyer mit informellen Gesprächen in lockerer Atmosphäre aus, auch um dem ursprünglichen Wortsinn nahe zu kommen: der altgriechische Ausdruck symposion (lateinisch symposium) steht sinngemäß für Geselligkeit mit Essen und Trinken.

 

 

 

 

Inge Ehrlicher
Ehrenvorsitzende

 

Claudia Galoßka
Diplomsozialpädagogin

 

Volksbank
Haus der Immobilie, Foyer
Foto privat

 

 


 

 

 

Volksbank
Haus der Immobilie
Panoramasaal
Foto privat

 

Die Veranstaltungsreihe Detmolder Symposium für Pädagogik und Psychologie wird großzügig von der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold unterstützt.